25.01.2011 Kultur
Das Stadtarchiv Stuttgart, die Stolperstein-Initiative und die Geschichtswerkstatt Stuttgart-Nord laden am Dienstag, 1. Februar, 19 Uhr ins neue Stadtarchiv, Bellingweg 21, ein zur Buchvorstellung Alfred R. Kandler: “In der Höhle des Löwen. Lebensbericht eines schwäbisch-jüdischen Textilunternehmers“. Dr. Henry Kandler, der Sohn Alfred Kandlers, und seine Gattin aus New York sowie weitere Angehörige der Familie Kahn werden anwesend sein. Es liest Rudolf Guckelsberger, Till Schuler spielt auf dem Cello.
1900 in Stuttgart als Rudolf Kahn in eine assimilierte Familie von Textilunternehmern geboren, schildert Kandler in seinem zunächst nicht für eine Veröffentlichung vorgesehenen Lebensbericht seine Jugend in Stuttgart, Studium und beruflichen Werdegang bis zur Verfolgung und Emigration in der NS-Zeit. Den von Vater und Onkel gegründeten Textilbetrieb in Laichingen auf der Schwäbischen Alb musste Kandler 1938 an einen SS-Angehörigen verkaufen. Nach der sogenannten Reichskristallnacht und KZ-Haft in Dachau arbeitete er unter Aufsicht der Gestapo in der Gemeindeverwaltung (“Mittelstelle“), wiewohl er früher Distanz zur Jüdischen Gemeinde gehalten hatte. Kurz vor dem Verbot konnte Kandler mit seiner Frau im Sommer 1941 in die USA emigrieren. 1944 trafen sie ihre beiden Söhne wieder, die sie 1939 in einem Kindertransport nach England geschickt hatten. Nach harten Jahren als Webereiarbeiter konnte Kandler wieder Fuß fassen. Er starb 1974 in New York.


